Kunst kann sehr viel bewegen - mit kleinsten Mitteln.


Kann es sein, dass trotz Globalisierung und Hochtechnologie, trotz unseres immensen Wohlstands es immer noch Menschen auf dieser Welt gibt, die so wenig haben, dass sie oft noch nicht einmal satt werden? Ich stellte mir die Frage, wie ich mit meinen geringen Mitteln für diese Menschen etwas tun könnte. Wie könnte ich möglichst viel Aufmerksamkeit erzielen, obwohl die meisten Menschen in unserer Welt für solche Botschaften inzwischen desensibilisiert sind? Diejenigen, denen ich von meinem Vorhaben erzählte, bestätigten das sofort mit ihrer Reaktion und stellten mich in die Ecke zu den "Idealisten und Gutmenschen". Man verwies auf die abschreckenden Bilder von hungernden Menschen, die zwar anrühren, jedoch von den meisten lieber verdrängt werden, anstatt sich damit zu konfrontieren.


ABER es ist eine, wenn nicht DIE Fähigkeit der Kunst, Widersprüche zu etwas ganz Neuem zu vereinen. Sie schafft es, die Komponenten, die sich oft schon im Kern abstossen, mit den Mitteln der Ästhetik ganz nahe zusammenzubringen. Daraus entsteht eine Spannung, die so groß ist, dass sie eine unmittelbare Reaktion bei den Betrachtern auslöst. Sei es "nur" darüber nachzudenken oder sogar aktiv für oder gegen etwas zu handeln. Wie sie das schafft, dabei ist Kunst unkonventionell und daraus zieht sie ihre Stärke. Es ist die gute Idee, die einen Sog entwickelt und uns aktiviert. Genau so eine Idee musste ich kreieren.


Diesem Gedanken folgend beschloss ich, die arme und reiche Welt zu einer Art „Metasymbol“ zusammenzubacken und das im wahrsten Sinne des Wortes: Ich buk ein Brot und hinein kamen Diamanten im Wert von 50.000 Euro, die ein Nürnberger Juwelier zur Verfügung stellte. Er war der erste, den die Idee überzeugte. Das „Teuerste Brot der Welt“ war geschaffen.


Was ich vergaß, ist, dass der Kunst oftmals Widerstände entgegengesetzt werden.
Für die Sammlung von Spenden und ihren sinnvollen Einsatz wollte ich eine namhafte Hilfsorganisation gewinnen, die das „Brot" schon im Namen trägt. Das hört sich logisch und einfach an, war aber genau das Gegenteil. Man lehnte die Zusammenarbeit und damit auch die Spenden ab, weil man sich vor den Diskurs scheute und eine Schädigung des Ansehens des „Markennames“ befürchtete. Schon diese Zwänge, denen sich eine so große Hilfsorganisation ausgesetzt sieht, machen nachdenklich. Aber ich konnte das nachvollziehen. Es war eine bewußte Provokation, die ich als Künstler erzeugte. Wie würde sie von der Gesellschaft aufgenommen werden?

 

Der Juwelier, bekam auf diese Nachricht hin auch kalte Füße und stellte das Projekt in Zweifel. Die Wirkung der guten Idee hatte nachgelassen und ich musste neues Vertrauen schaffen. Nach vielen Telefonaten und Gesprächen mit anderen Organisationen konnte ich schließlich die „Welthungerhilfe“ als Partner gewinnen. Mein Ansprechpartner dort war sehr erfahren und kompetent und konnte mir in vielen Dingen, gerade was das Thema Vertrauen anging, weiterhelfen.


Doch dann kam der zweite Rückschlag. Um eben maximale internationale Aufmerksamkeit zu bekommen, hatte ich das „Teuerste Brot“ als Rekordversuch für das "Guinessbuch der Rekorde" angemeldet. Allein der Antrag zur Anmeldung kostete über 500 €. Dafür würde man aber erst den Antrag überprüfen. Eine Anerkennung und Durchführung durch einen offiziell anerkannten Schiedsrichter war also nur zu erhoffen. Lange Zeit habe ich überhaupt nichts gehört und erst nach mehrmaliger Nachfrage kam ein Schreiben mit kurzer Ablehnung des Antrags. Die Begründung gab es erst nachträglich im Telefonat: "Jeder könnte ja ganz einfach das teuerste Brot backen, wenn er etwas Wertvolles hineintun würde." "Ja, genau," entgegnete ich, "so wie eben jeder einfach den längsten Golfschläger der Welt bauen kann, wenn er ihn nur lang genug machen würde (4,37 m), wie z.B. bei dem anerkannten Rekord des Dänen Karsten Maas." Der prinzipielle Unterschied hat sich mir nicht erschlossen, aber das Geld war verloren, noch bevor ein Cent eingesammelt wurde.


Wie sollte ich nur die nötige Aufmerksamkeit erzeugen, um die Spenden zu generieren? Mir war klar, dass man heutzutage wenig bekommt, wenn man nur die Hand bzw. die Spendendose hinhält. Es musste eine Art Kampagne kreiert werden, die die Menschen errreicht.

 

Die Idee dafür war, das Konzept noch weiter zu denken und zusammen mit dem Juwelier ein großes Frühstück zu veranstalten bei dem die spendenen Gäste in einem der Brötchen einen echten Diamanten finden konnten, der vom Finder behalten werden durfte. Zusammen mit der örtlichen Presse, die ich davor zum kleinen Frühstück in der Fußgängerzone einlud, habe ich die Werbetrommel für das Event gerührt. Ich habe außerdem die Passanten an meinen Tisch eingeladen und mit ihnen tagelang über das Problem der Ungleichverteilung in der Welt und den Hunger gesprochen. Die Menschen hatten wirklich viel zu sagen und man spürte die riesige Kluft zwischen vermeintlich ignoranter Öffentlichkeit und nachdenklichem Individuum. Das machte ich bei der Presse zum Thema und der Diskurs war eröffnet. Das teuerste Brot bekam Schlagzeilen in über 40 Print, Funk und TV Beiträgen.

Immer neue Widerstände

Für den großen Tag war Catering für 200 Menschen an einem der schönsten Plätze Nürnbergs, den Unschlittplatz, geordert. Es waren Künstler für eine Performance engagiert und das Brötchen mit dem Diamanten darin war gebacken. Aber die Welle auf der ich das Projekt sah, nahm einen neuen Tiefgang. Trotz des ursprünglich vorhergesagten sonnigen Tages im September änderte sich die kurzfristige Wetterprognose auf 6 Grad und Regen. Wir haben darauf versucht einen nahegelegenden Saal zu mieten, was aber scheiterte. Am Ende konnten wir zwar für Heizstrahler und Sonnenschirme sorgen, was aber die Veranstaltung nur bedingt rettete. Die Enttäuschung war riesig. Statt der erwarteten 200 Gäste kamen nur ca. 60. Die Spendengelder hielten sich im kleinen Rahmen. Die anwesende Presse schlug sogleich in die Kerbe, um mich als "naiven Brunnenbauer für die dritte Welt" zu bezeichnen, der nur "kleine Brötchen gebacken bekommt".

... die am Ende hilfreich sind

Wenn man Kunst machen will, bewegt man sich in Grenzbereichen, eckt ständig an und lernt daher viel einzustecken. Aus dieser, immer wieder gemachten Erfahrung heraus, hatte ich die Idee des teuersten Brotes der Welt vorher noch mal ein Stück weiter gedacht. Um zusätzliche Spendengelder sammeln zu können, hatte ich eine Röntgenaufnahme des Brotes bzw. dessen Inneren im Krankenhaus Nürnberg machen lassen und die Drucke davon zum Verkauf angeboten. Ich sah dies auch künstlerisch motiviert. Die vielen Gespräche am Frühstückstisch hatten mir klar gemacht, dass die Menschen im Kern ein Problem mit dem Vertrauen hatten. Das wollte ich mit den Röntgenaufnahmen thematisieren. Ein paar Sammler waren ausgerechnet durch jenen Pressartikel, der mich verrissen hatte, darauf aufmerksam geworden und haben ein paar Tage nach dem Event Drucke gekauft. Das war die Rettung für die Spendenaktion. Wir konnten dadurch und mit den Spenden des Juweliers doch noch einen guten fünfstelligen Betrag sammeln und der Welthungerhilfe für tolle Förderprojekte in Afrika übergeben. Wie ich erfuhr, war auch ein Brunnen dabei.

Der limitierte Druck des Röntgenbildes des teuersten Brotes der Welt kann für eine direkte, nachgewiesene Spende von mindestens 1000 Euro an die Welthungerhilfe erworben werden.

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